Wie lernt mein Kind die richtige Stifthaltung?

Ob Vorschulkind, Schreibanfänger oder bereits fortgeschritten: Was braucht es für eine flüssige, gut lesbare Handschrift? Und was hilft gegen eine verkrampfte Haltung, die schon zu Schreibunlust führte?

DEUTSCH

Gina Bracht

Ungünstige Stifthaltung mit wenig Bewegungsfreiheit
Ungünstige Stifthaltung mit wenig Bewegungsfreiheit

Wie lernt mein Kind die richtige Stifthaltung?

Nimm einen Bleistift. Halte ihn senkrecht vor dir mit deiner nicht-dominanten Hand.

Stell dir vor, deine drei Schreibfinger sind ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau. Alarm, Alarm, schnell die Feuerwehrstange heruntergerutscht und... einsatzbereit!

Schau dir gerne das Video an. Darin zeige ich den "Drei-Punkt-Griff" und seine Vorteile nochmal ganz genau.

Man kann einen Stift auf verschiedene Art und Weise halten. Wenn man bei anderen mal darauf achtet, sieht man, welch kreative Möglichkeiten schon existent sind... Die Frage ist nur: Ist es wirklich sinnvoll, den Stift so zu halten? Oder sieht es auch etwas seltsam aus?

Handgröße und Fingerlänge sind individuell unterschiedlich. Wer eine andere Haltung als den (entspannten) Drei-Punkt-Griff bevorzugt, sollte überprüfen, ob seine Finger, seine Hand - evtl. sogar der ganze Arm -nicht verkrampfen. Mitunter führt die falsche Stifthaltung noch zu Rückenschmerzen. Wenn Schreiben "anstrengend" ist, wird man nicht gerne schreiben.

Der Stift liegt gut, wenn die Hand nicht zu locker ist, dass man ihn fast verliert und auch nicht zu fest, dass man ihn sich nicht mit der anderen Hand "klauen" (wegziehen) kann. Wie weit oben oder unten man ihn hält, muss man ebenfalls ausprobieren. Kleiner Finger und Ringfinger werden nicht gebraucht und liegen entspannt eingeklappt an der Handinnenfläche (sie können zur Gewöhnung anfangs auch eine Filzmurmel oder Nudel festhalten). Würden wir im Sand schreiben, mit Fingerfarbe oder an beschlagenen Scheiben, bräuchten wir nur unseren Zeigefinger. Er alleine ist sehr beweglich.

Der Stift ist Ersatz für den nicht von selbst schreibenden Zeigefinger. Er wird durch den Daumen fixiert. Der Mittelfinger (bzw. das letzte Glied) unterstützt von unten. Der Zeigefinger ist bogenförmig - wie ein Regenbogen. Auch in dieser Haltung ist der Stift sehr beweglich. Stell dir vor, dein Stift ist ein Dart-Pfeil und du bewegst ihn vor und zurück, um ein Ziel anzupeilen. Versuche auch auf Papier möglichst lange Striche hin und her in alle Richtungen zu zeichnen und immer größere Kreise - dein Handgelenk bleibt dabei an der gleichen Stelle. Alle Bewegung kommt nur aus den Fingern. Probiere die Übung auch mit anderen Stifthaltungen aus und vergleiche die Größe der Striche und Kreise.

Je beweglicher die Finger, desto besser für das schnelle Aneinanderreihen mehrerer Buchstaben und damit für eine flüssige Handschrift.

Welche Stifte für den Schreibanfang?

Ich empfehle zunächst das Schreiben mit dem Finger oder einem Jongliertuch in der Luft. Besonders Jungen profitieren von großen Bewegungen, da sich ihre Feinmotorik in der Regel erst zur Pubertät hin entwickelt. Wie wäre es mit Schwungübungen zu Musik oder "Buchstaben-Tai chi"?

Im nächsten Schritt schreiben die Kinder mit dem Finger im Sand (Sandtablett) oder mit Kreide auf dem Asphalt. Kreidestücke kann man eigentlich nur mit dem Drei-Punkt-Griff greifen. Genauso wie Mensch-ärger-dich-nicht-Spielpüppchen! Auf Papier empfehle ich zunächst das Schreiben mit Pinseln. Ein Pinsel braucht keinerlei Druck. Und auch als "Trockenübung" kann man toll auf Arm oder Handflächen "schreiben" - Kitzelgefühle und Gänsehaut - Lernen mit allen Sinnen!

Die ersten Bleistifte sollten weich sein. Bei "HB" muss man oft schon zu viel Kraft aufwenden - das wollen wir ja nicht. Die Hand soll sich ja nicht verspannen. Künstlerbleistifte ab Stärke "3B" sind super. Je weicher, desto schlechter kann man sie radieren. Aber Radieren sollen Kinder am Anfang ja eh nicht. Lieber zigmal den selben Buchstaben schreiben und dann den schönsten einkreisen oder mit Herzchen versehen.

Wer schon älter ist und seine Stifthaltung verbessern will, der lernt einfach nochmal neu und fängt mit diesen Tipps von vorne an. Jeden Tag ein bisschen. Umlernen braucht nicht selten Zeit und Geduld.

Wer mit Stäbchen essen kann, kann auch einen Stift gut halten

Ess-Stäbchen sind eine tolle Stifthaltungsübung und spannende Herausforderung.

Nimm kleine Schüsselchen oder Muffinförmchen und sammle einige kleine Dinge zusammen: verschiedene Nudelformen, Münze, Perle, Knopf, Pompon, Steinchen, Ring, Büroklammer,... Übe mit deinem Kind, die Stäbchen zu halten und dann versucht, die kleinen Dinge mit Stäbchen in die Schüssel (oder von einer Schüssel in die andere) zu transportieren. Gar nicht so leicht!

Wenn dir dieser Blog-Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne mit jemandem, der diese Tipps gut gebrauchen kann. Vielen Dank!

Folge mir gerne auf Facebook oder Instagram
Melde dich zu unserem monatlichen Newsletter an!

0163-9759212
gina(at)ginabracht.de